Dr. Jean-Pierre Palmier

Wissenschaftlicher Referent | Autor

 

Die Filmerzählung. Eine Einführung. Paderborn: Fink, 2016 (gem. mit Susanne Kaul). [Leseprobe]


Erzählt wird überall, auch in den audiovisuellen Medien. Die Erzähltheorie hat sich hierauf allerdings noch nicht umfassend und systematisch eingestellt. Dass der Spielfilm erzählt, steht außer Frage. Doch was sind die medienspezifischen Besonderheiten der Filmerzählung? Wie lässt sich die Erzähltheorie, die an literarischen, also sprachlichen Erzählungen herausgearbeitet wurde, mit Blick auf die Anforderungen nicht-sprachlicher Erzählmedien umgestalten?

Diese Einführung erklärt systematisch und anschaulich, wie im Film erzählt wird. Ausgehend von einer transmedialen Konzeption von Erzählen wird übersichtlich dargelegt, wer oder was im Film erzählt, wie filmisches Erzählen perspektivisch aufgebaut ist, welche narrativen Funktionen die visuellen und auditiven Elemente erfüllen und wie diese sich zueinander verhalten. Zudem werden exemplarisch komplexe Ebenen- und Zeitstrukturen analysiert. Kapitel zur erzählerischen Unzuverlässigkeit, Metafiktionalität und zu den Grundlagen filmischer Adaptionen runden die Einführung ab. In einem Forschungsüberblick werden außerdem aktuelle Beiträge sowie Klassiker der Filmnarratologie vorgestellt und kritisch kommentiert.




Gefühlte Geschichten. Unentscheidbares Erzählen und emotionales Erleben. Paderborn: Fink, 2014. [Leseprobe und Rezension]


Dass Leser emotional auf fiktionale Erzähltexte reagieren, ist selbstverständlich. Doch wieso provozieren widersprüchliche, metafiktionale Erzählungen inhaltsbezogene Emotionen? Wieso können manche erzählte Geschichten allererst aufgrund der emotionalen Reaktionen, die sie hervorrufen, verstanden werden? Das Buch verfolgt drei Ziele: erstens eine Typologisierung unentscheidbaren Erzählens, die sämtliche rätselhaften und paradoxen Erzählarten systematisch erfasst. Zweitens eine transmediale Ausrichtung der Erzähltheorie samt einer Bestimmung narrativer Medien. Drittens soll die Bedeutung von Gefühlsphänomenen für die Rezeption von Erzählungen in verschiedenen Medien beleuchtet werden. Dass Gefühle dem reflexiven Verstehen erzählter Geschichten nicht nachfolgen, sondern ihm vorausgehen, wird in der Analyse unentscheidbarer Erzählungen aus Literatur und Film (Kafka, Robbe-Grillet, Haneke etc.) nachgewiesen.




Erzählen im Film. Unzuverlässigkeit – Audiovisualität – Musik. Bielefeld: transcript, 2009 (gem. hg. mit Susanne Kaul und Timo Skrandies). [Leseprobe]


Die Anwendung des Erzählbegriffs auf Medien jenseits der Literatur erfordert eine interdisziplinäre Verständigung darüber, welche spezifische Form und Erkenntnisfunktion das Erzählen haben kann. Bilder, Ton und Musik haben für die Erzeugung der Ereignisse in der erzählten Geschichte einen eigenen Anteil und erweitern bzw. verschieben die Möglichkeiten und Formen des Erzählens wesentlich. Insbesondere das unzuverlässige Erzählen ist zu einer wichtigen Strömung des Gegenwartsfilms geworden und es lohnt zu fragen, wie es dazu kommt und warum audiovisuelle Medien gerade für diese narrative Möglichkeit prädestiniert zu sein scheinen.






Aufsätze:


  1. »Zur theatralischen Inszenierung von Echtzeit in Birdman or (The Unexpected Virtue of Ignorance)«. In: Stephan Brössel / Susanne Kaul (Hg.): Echtzeit im Film. Konzeptualisierung - Wirkungsweisen - Interrelationen. Paderborn: Fink 2018 (noch nicht erschienen).


  1. »Zum Eindruck gedehnter Zeit im Gegenwartsfilm«. In: Stephan Brössel / Susanne Kaul (Hg.): Echtzeit im Film. Konzeptualisierung - Wirkungsweisen - Interrelationen. Paderborn: Fink 2018 (noch nicht erschienen).


  1. »Das Paradox der Metafiktion. Selbstreferenzialisierungs- und Emotionalisierungsstrategien in filmischen Gewaltszenen (Tarantino, von Trier, Haneke)«. In: Heinz-Peter Preußer (Hg.): Gewalt im Bild. Ein interdisziplinärer Diskurs. Marburg: Schüren 2017 (noch nicht erschienen).


  1. »›Dabei konnte man sich alles vorstellen.‹ Zur intermedialen Adaptierbarkeit von Jugendliteratur am Beispiel von Michael Ende«. In: Tobias Kurwinkel / Philipp Schmerheim / Annika Sevi (Hg.): Michael Ende Intermedial. Würzburg: Königshausen & Neumann, 2016. S. 53-63.


  1. »Zur Erfahrbarkeit der Bildsprache Herta Müllers. Perspektiven der Kognitionspsychologie für die Rezeptionsästhetik«. In: Martina Wernli / Jens Christian Deeg (Hg.): Herta Müller und das Glitzern im Satz. Eine Annäherung an Gegenwartsliteratur. Würzburg: Königshausen & Neumann, 2016. S. 165-175.


  1. »Kafkas Lust und Mühe am Schreiben. Leichtsinnige Erzählverfahren im Proceß und im Schloß«. In: Harald Neumeyer / Wilko Steffens (Hg.): Kafkas narrative Verfahren. Kafkas Tiere. Würzburg: Königshausen & Neumann, 2015. S. 129-143.


  1. »Strukturverwandte. Zur Adaptierbarkeit von Erzählungen in Literatur, Comic und Film«. In: Nathalie Mälzer (Hg.): Comics: Übersetzungen und Adaptionen. Berlin: Frank & Timme, 2015. S. 81-94.


  1. »Choreografien des Todes in den Filmen von Quentin Tarantino«. In: Jessica Nitsche (Hg.): Mit dem Tod tanzen. Tod und Totentanz im Film. Berlin: Neofelis, 2015. S. 111-126.


  1. »Die Fragwürdigkeit des Individuellen aus erzähltheoretischer Sicht. Überlegungen am Beispiel von Imre Kertész' Roman eines Schicksallosen«. In: Marta Famula (Hg.): Das Denken vom Ich. Die Idee des Individuums als Größe in Literatur, Philosophie und Theologie. Würzburg: Königshausen & Neumann, 2014. S. 197-207.


  1. »Hermeneutik interkulturell. Zur Bedeutung von Borges' unvoreingenommener Kafka-Lektüre«. In: Harald Neumeyer / Wilko Steffens (Hg.): Kafkas Betrachtung. Kafka interkulturell. Würzburg: Königshausen & Neumann, 2013. S. 485-495.


  1. »›So wirklich wie die Wirklichkeit‹. Fiktionsbrüche und Emotionalisierung in Michael Hanekes Funny Games (1997)«. Online in: Medienobservationen (30.1.2013) [lesen].


  1. »Blinder Fleck Emotionen. David Lynchs Eifersuchtstrilogie Lost Highway, Mulholland Dr., Inland Empire«. In: Achim Geisenhanslüke / Rasmus Overthun (Hg.): Kino der Blinden. Figurationen des Nichtwissens bei David Lynch. Bielefeld: transcript, 2012. S. 241-259.


  1. »Transmediale Trauer. Literarische und filmische Emotionalisierung am Beispiel der filmischen Goethe-Adaptionen Werther (2008) und Mitte Ende August (2009)«. In: Sandra Poppe (Hg.): Emotionen in Literatur und Film. Würzburg: Königshausen & Neumann, 2012. S. 249-266.


  1. »Mathematisches Erzählen: Darren Aronofskys kalkulierte Emotionalisierung in den Spielfilmen Pi, Requiem for a Dream und The Fountain« (gemeinsam mit Stefan Suhr). In: Franziska Bomski / Stefan Suhr (Hg.): Fiktum versus Faktum? Nicht-mathematische Dialoge mit der Mathematik. Berlin: Erich Schmidt, 2012. S. 237-254.


  1. »Geschichten sehen und fühlen. Visualität und Stimmung als Kategorien narrativer Analyse«. Online in: kunsttexte.de 1/2011 [lesen].


  1. »Gefühlte Schuld ist immer zweifellos. Unentscheidbares Erzählen und emotionales Erleben am Beispiel von Franz Kafkas ›Das Urteil‹«. In: Sophie Wennerscheid (Hg.): Sentimentalität und Grausamkeit. Ambivalente Gefühle in der skandinavischen und deutschen Literatur der Moderne. Berlin: Lit, 2011. S. 195-211.


  1. »Die Narrativität der Medien. Transmediale Erzähltheorie und ihre Bedeutung für Literatur- und Filmwissenschaft«. In: Lothar van Laak / Katja Malsch (Hg.): Literaturwissenschaft - interdisziplinär. Heidelberg: Synchron, 2010. S. 71-87.


  1. »Gefühle erzählen. Narrative Unentscheidbarkeit und audiovisuelle Narration in Christoffer Boes Reconstruction«. In: Susanne Kaul / Jean-Pierre Palmier / Timo Skrandies (Hg.): Erzählen im Film. Unzuverlässigkeit - Audiovisualität - Musik. Bielefeld: transcript, 2009. S. 141-157.


  1. »Die schöne Performanz des filmischen Gedächtnisverlustes«. MERKUR. Deutsche Zeitschrift für europäisches Denken 2/2007. S. 179-181. (Essaypreis des MERKUR)


Rezensionen:


  1. »Von Stimmen und Bildern. Ein erzähltheoretisches Analysemodell für bestimmte Filme« (Rezension über: Markus Kuhn: Filmnarratologie. Ein erzähltheoretisches Analysemodell. Berlin/New York: de Gruyter, 2011). In: IASLonline [15.10.2011] [lesen]


  1. »Hüter der Enigmatik. Ralf Michael Fischer spielt ›Raum und Zeit im filmischen Œuvre von Stanley Kubrick‹ gegen das Erzählen aus«. In: literaturkritik.de 09/2010 [lesen]


Interviews:


  1. Radio-Interview zum Thema Mindfuck-Film, in »Zündfunk« auf Bayern 2 (2.2.2014)


  1. Radio-Interview zu Quentin Tarantinos Filmästhetik und Django Unchained, in »Film im Ohr« auf Leinehertz 106.5 (7.3.2013)


  1. Radio-Interview zum Thema Film und Emotion, in »Hertzklappe« auf Hertz 87.9 (27.9.2012)

 

»Das Gros der Aufsätze aber in den Geisteswissenschaften wird realistischerweise gar nicht geschrieben, um gelesen zu werden, sondern um geschrieben worden zu sein. Sein Zielort ist nicht der Schreibtisch des anderen Forschers, sondern die eigene Publikationsliste.«


(Jürgen Kaube, Im Reformhaus. Zur Krise des Bildungssystems)